Die Stufen auf dem Weg zum Mönchtum

Ob man zu einem Leben als Mönch in einem Kloster berufen ist, muss sich vor Ort erweisen. Um sich wachsende Klarheit darüber zu verschaffen, vereinbart man am besten ein oder mehrere Gastaufenthalte und nimmt Kontakt zum Novizenmeister oder zum Abt auf. Wenn der Wunsch, Mönch in einem konkreten Kloster zu werden, größer wird, bittet man um Aufnahme in das Postulat.

In Niederaltaich dauert das Postulat in der Regel sechs Monate bis ein Jahr. Es ist eine Zeit des näheren Kennenlernens des Klosterlebens und der konkreten Gemeinschaft. Der Postulant feiert die Gottesdienste mit den Mönchen, isst mit ihnen im Refektorium, wird eingeführt in die Lectio divina und ins geistliche Leben und arbeitet mit in verschiedenen Bereichen des Klosters. Festigt sich der Vorsatz, Mönch zu werden, bittet man um Aufnahme ins Noviziat.

Das Noviziat beginnt mit der Einkleidung in die klösterlichen Gewänder und dauert genau ein Jahr. Der Novize wird vertieft eingeführt in die Heilige Schrift, in die Regel und die Lebensbeschreibung des Hl. Benedikt, in Liturgie, Spiritualität und Traditionen des Mönchtums. Der Unterricht bei verschiedenen Mitbrüdern umfasst in Niederaltaich auch die Ordens- und die Hausgeschichte unseres Klosters, Stimmbildung und das Vertrautwerden mit dem gregorianischen Choral sowie mit byzantinischen Gesängen. In Niederaltaich verbringen die Novizen ganz individuell eine Zeit im römischen und eine Zeit im byzantinischen Ritus, um beide Traditionen kennen zu lernen und die ökumenische Ausrichtung unserer Gemeinschaft zu erfahren.

Stellt ein Novize dann den Antrag und stimmen der Abt und die Mönche zu, so wird er zur zeitlichen Profess zugelassen. Dabei legt er die Gelübde (Orts-)Beständigkeit (stabilitas), klösterlichen Lebenswandel (conversatio morum) und Gehorsam (oboedientia) auf drei Jahre ab und bindet sich für diese Zeit (zum ersten Mal) an das Kloster. Der Triennale - so heißt ein Mönch in dieser dreijährigen Phase, die auch verlängert werden kann - bekommt einen festen Arbeitsbereich übertragen oder er beginnt eine Lehre oder ein Studium.

Mit der feierlichen Profess bindet sich der Mönch für sein ganzes Leben als Mönch in der Nachfolge Christi an eine konkrete Gemeinschaft und die Gemeinschaft ihrerseits nimmt ihn für sein ganzes Leben auf.