Die beiden Türme 108 (2/2015)

Geburt des Herrn, Missale (Walters Ms. W.174, fol. 17v)

Inhaltsverzeichnis

Was tun mit dem Evangelium? –
Vom nicht immer einfachen Hören des Wortes Gottes

Vortrag bei der Ökumenischen Einkehrzeit im August 2015    (80)
von Abt Dr. Marianus Bieber OSB

Gott leibhaftig preisen, erzählen, bitten –
Zur Theologie der Basilius-Anaphora
Teil 1 des Vortrags bei der Ökumenischen Einkehrzeit 2015    (93)
von P. Johannes Hauck OSB

Neues zu den Anfängen der Abtei Niederaltaich
Vortrag bei der Fachtagung am 20. Juni 2014 in Niederaltaich    (106)
von Prof. Dr. Roman Deutinger

85 Jahre Oblateninstitut in Niederaltaich   
(113)
von Reinhard Rößler

Kloster auf Zeit und die „Nachwirkungen“   
(117)
von Jan Hoppe

25 Jahre Förderverein für die Byzantinische Kirche   
(120)
von Reinhard Rößler und Wolfgang Tischer

Nachrichten aus der Abtei von Mai bis Oktober 2015    (127)
von Frater David Kopp OSB

Unsere Veranstaltungen – ausführliches Programm 2016   
(140)

Gottesdienstzeiten an Hochfesten im byzantinischen Ritus   
(150)

Unsere Eucharistiefeiern am Sonntag 
                           (151)


Geleitwort

Liebe Freunde der Abtei,

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt! – so verkündet uns der Prolog des Johannesevangeliums die eigentliche Weihnachtsbotschaft im Hochamt am Weihnachtstage selbst, nachdem uns in der Christmette in der Nacht die romantisch anmutende Geburtsgeschichte bei Lukas mit Stall, Hirten, Engel lieb geworden ist. Doch wesentlich ist nicht die Staffage und Inszenierung der Gottesgeburt, auch wenn dies unsere Krippenlandschaften allenthalben so liebevoll gestalten, sondern das, was bleibt: dass das Wort, der Logos, Mensch wird, zu uns kommt und unter uns gewohnt hat und – so glauben wir Christen – weiter unter uns wohnt. Und so steht das Wort seither auch als Wort Gottes, als Evangelium in unserer Welt. Die vielen Worte Gottes sind Ausfaltungen des einen Wortes, das eine Wort, Christus, ist Zusammenfassung der ganzen Schrift für Christen. Und so wurde dieses Wort, das seitdem unter uns wohnt, das Evangelium, in besonderer Weise geschmückt, früher in kostbaren Handschriften (siehe Titelbild), heute in schön gestalteten Evangeliaren, die im kleinen Einzug des byzantinischen und in der Evangeliumsprozession des römischen Ritus feierlich zur Verkündigung getragen werden. Doch entscheidend ist nicht der Ritus und die Hülle, sondern der Inhalt des Evangeliums, das Hören des Wortes Gottes. Das aber ist nicht immer einfach, ja ist schwer zu verstehen – und das beginnt schon an Weihnachten: Das Wort wird Fleisch, Gott wird Mensch! Das Wort Gottes bleibt Geheimnis, lassen wir uns immer wieder davon berühren, vielleicht auch provozieren, herausrufen aus unserer gewohnten Vorstellungswelt.

Und so darf ich Sie alle, die unserer Abtei verbunden sind, auch im Namen meiner Mitbrüder mit der Weihnachtsbotschaft grüßen: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ – Ihnen allen ein frohes Fest und ein gutes Neues Jahr!

                          Abt Marianus Bieber