Ökumenische Einkehrzeit vom 4. bis 11. August 2012

Gebet um Einheit – Gebet als Einheit

Im Hohenpriesterlichen Gebet bittet Jesus den Vater, „dass alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube“ (Joh 17,21). Nach Jahrhunderten der Entfremdung sah das Zweite Vatikanische Konzil, das heuer vor 50 Jahren eröffnet wurde, es als eine seiner Hauptaufgaben an, die Einheit aller Christen wiederherstellen zu helfen. Dies öffnete Türen für die Ökumene weit über die Römisch-Katholische Kirche hinaus. Als Seele der geistinspirierten ökumenischen Bewegung betrachtete das Konzil die Bekehrung des Herzens und die Heiligkeit des Lebens in Verbindung mit dem Gebet. Es ersuchte alle, die Einheit zu erstreben, besonders durch das Gebet und den brüderlichen Dialog über Lehre und Seelsorge.

Die anfängliche Euphorie des ökumenischen Dialogs, der zahlreiche Vereinbarungen und Konvergenzpapiere hervorgebracht hat, stagniert seit geraumer Zeit. Desillusion zeigt sich. Über Einheitsmodelle, Weg- und Zielvorstellungen herrscht Uneinigkeit. Und das Gebet? Steht es im Zentrum der Bemühungen? Kann es helfen, den Horizont weiten, die Wahrnehmung vertiefen?

Das Streben nach Einheit – untereinander, aber auch in der eigenen Person und mit Gott – durchzieht die Menschheits- und Religionsgeschichte. Die Kirchenväter geben richtungweisende Hilfestellungen für den Weg aus der inneren Zerrissenheit hin zur Vereinigung mit Gott (Theosis), wobei sie dem Gebet eine wesentliche Bedeutung zumessen. Als ein Vater der mystischen Theologie möchte Dionysios Areopagites zur Henosis, zur Einung mit Gott, führen.

In wie fern kann das Gebet auch heute als Weg zur Sammlung und Einheit begriffen werden? Was ist die rechte Form des Gebets? Was kann ein Gebet bewirken? In wie weit stiftet das Gebet selbst Einheit – im Beter, untereinander, mit und in Gott?

Bei der Ökumenische Einkehrzeit werden zentrale Themen des Lebens und der Kirche mehr meditierend als diskutierend theologisch bedacht – im Rahmen liturgischer Feiern der römischen, der byzantinischen und der evangelisch-lutherischen Tradition.   

                                                                            > ausführliches Programm zum Ausdrucken (pdf)
Vorträge

EINSTIMMUNG
Die Bitte um die Einheit der Seinen im Hohenpriesterlichen Gebet Jesu

ABT DR. MARIANUS BIEBER OSB, NIEDERALTAICH
Das Gebet als Weg zur Sammlung und Einheit

PROF. DR. SABINE BOBERT, S.T.M., CAU KIEL
Beten als Schauen auf Christus
(konnte wegen Krankheit nicht gehalten werden)

PROF. DR. HANNA-BARBARA GERL-FALKOVITZ, TU DRESDEN/HL. KREUZ BEI WIEN
In Geist und Wahrheit anbeten. Zu einer Grundform des Gebets

FRATER JOHANNES HAUCK OSB, NIEDERALTAICH
Gebet und Einung mit Gott
nach dem Traktat Über die mystische Theologie des Dionysios Areopagites

PFARRER I.R. DR. WALTER SCHÖPSDAU
KONFESSIONSKUNDLICHES INSTITUT DES EVANGELISCHEN BUNDES IN BENSHEIM
Beten: Gott Gott sein lassen als Weg der Einheit

A. IRENÄUS TOTZKE OSB, NIEDERALTAICH
Einheit ohne Vereinigung?
Einheitsmodelle gestern und heute

Seminare

ARCHIMANDRIT IRENÄUS TOTZKE OSB, NIEDERALTAICH
1. Primatus Romanus: Historische Entwicklung in Ost und West und neueste Fragestellungen
2. „Theotokos“ – Die besondere Eigenart östlicher Muttergottesverehrung
3. Was heißt Anamnese?

FRATER JOHANNES HAUCK OSB, NIEDERALTAICH
1. „Geeint in der Geschiedenheit und in der Einung geschieden“
Gott, Schöpfung und Kosmos bei Dionysios Areopagites
und die Rezeption seiner theophan-einheitlichen Weltsicht in Liturgie und Sakralarchitektur
2. Der Aufstieg des Mose - ein vielschichtiges Paradigma in der Mystischen Theologie I 3

Meditationen

mit Gudrun Heidecke

Ausstellung

Ikonen und Klosterarbeiten als gemaltes und gestaltetes Gebet