Aus einer Weihnachtspredigt

Die Gnade Gottes, durch die seit jeher alle seine Heiligen gerechtfertigt wurden, begann nicht erst mit der Geburt Christi zu wirken. Sie ist dadurch nur größer geworden. Diese geheimnisvolle große Liebe, von der jetzt die ganze Welt erfüllt ist, war in den Zeichen, die ihr vorausgingen, nicht weniger mächtig. Wer daran glaubte, als sie verheißen wurde, hat nicht weniger Nutzen davon gehabt als derjenige, der sie angenommen hat, als sie ihm geschenkt wurde.

Meine geliebten Kinder, mit einer Güte, die ganz augenscheinlich ist, hat sich der Reichtum der Gnade Gottes über uns ergossen. Wir sind zu ewigem Leben berufen und werden nicht nur durch Vorbilder aus der Vergangenheit auferbaut, sondern haben die Wahrheit als solche erscheinen sehen in ihrer leiblich-sichtbaren Form. So müssen wir also den Geburtstag des Herrn mit inniger Freude feiern, mit einer Freude, die nicht von dieser Welt ist ... Der Heilige Geist möge euch erleuchten, so dass ihr den erkennt, der uns in sich aufgenommen hat und den wir in uns aufgenommen haben; denn so wie der Herr Jesus in seiner Geburt zu unserem Fleisch geworden ist, so sind auch wir bei unserer Wiedergeburt zu seinem Leib geworden. Gott hat uns ein Beispiel seines Wohlwollens und seiner Demut gegeben ...; gleichen wir uns dem Herrn in seiner Demut an, wenn wir ihm in seiner Herrlichkeit ähnlich sein wollen. Er selber wird uns helfen und uns führen, bis seine Verheißung eingelöst ist.

Hl. Leo der Große (um 400-461), 3. Predigt zu Weihnachten, SC 22