Aus dem Großen Kanon des Hl. Andreas von Kreta

1. Ode

«Zum Helfer und zum Beschützer ward mir zum Heile dieser mein Gott, drum preis' ich Ihn, meines Vaters Gott, erheben will ich Ihn. Denn herrlich ist Er verherrlicht.»

Hab ich auch gesündigt, Heiland, so weiß ich doch: Du bist der Menschenfreund. Du schlägst aus Liebe, und heiß ist Dein Erbarmen. Du schaust auf den Weinenden, läufst auf ihn zu, o Vater, rufst den Verlorenen zurück.

O Dreiheit überwesentlich, verehrt in der Einheit, nimm fort von mir die Kettenlast der Sünden. Und gib mir in Deiner Güte der Reue Tränen.

Gottesmutter, du Hoffnung und Hilfe derer, die dich in Hymnen besingen, Herrin, nimm fort von mir die Kettenlast der Sünde und heilige mich, nimm den Reuigen auf.


2. Ode

Die Puppe des Fleisches hab ich geschmückt mit der schändlichen Klugheit blendendem Schleier. Und ich werde verdammt.

Auf die äußere Schönheit allein war ich eifrig bedacht. Nicht gab ich acht auf den von Gott gebildeten inneren Tempel.

Mit den Lüsten vergrub ich die Schönheit des früheren Bildes. Doch wie einst die Drachme, so such mich und find mich.


9. Ode

Dargestellt hab ich dir, Seele, des Moses Schrift über das Werden der Welt und von ihm jede Stelle, die dir von Gerechten kündet und von Ungerechten. Unter ihnen, Seele, hast du nachgestrebt den Letzten, nicht den Ersten, indem du wider Gott gesündigt hast.

Das Gesetz erwies sich kraftlos. Ohne Wirkung bleibt das Evangelium. Die ganze Schrift, in dir ist unbeachtet sie geblieben. Schwach erwiesen die Propheten sich und jedes Wort aus des Gerechten Munde. Deine Wunden, Seele, mehrten sich. Kein Arzt war da, der dich ließ gesunden.

Des Neuen Bundes Bilder führe ich dir vor, o Seele, dich zur Reue zu bewegen. So ahme also die Gerechten nach, wend ab dich von den Schlechten. Und Christus suche zu versöhnen dir durch Flehn und Fasten, durch Reinheit und durch Ehrbarkeit.

Das am Blutflusse leidende Weib hat geheilt durch Berührung des Saumes der Herr. Aussätzige machte Er rein, Blinden brachte Er Licht, aufgerichtet hat Er die Lahmen, Taube und Stumme und die zu Boden Gekrümmte hat Er geheilt durch Sein Wort, damit du gerettet würdest, Seele, du arme.

Preisen laßt uns den Vater, erheben den Sohn, treu laßt uns verehren den Heiligen Geist, die unzertrennliche Dreiheit, die Einheit im Wesen, das Licht und die Lichter, das Leben und die Fülle des Lebens, die Leben spendet und Licht den Enden der Welt.

                                 Gesungen in der Matutin am Donnerstag der 5. Fastenwoche
                                 Zu den Troparien vgl. Kilian Kirchhoff: Die Ostkirche betet, Münster 1962