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Im Anschluss an die monastische Bewegung ab dem 3. Jahrhundert, deren Ideale sich rasch in der gesamten Christenheit verbreiteten und viele im gemeinsamen Eifer über weite Distanzen hinweg verband, hat sich eine alle Dimensionen des Menschseins umfassende asketische Lebensweise der Christusnachfolge entwickelt: das Mönchtum und die Vielfalt der Orden.

Im Unterschied zur Ostkirche, wo der eine breite Traditionsstrom des Mönchtums je nach Gemeinschaft, Ort und Zeit konkretisiert wird, wurden die Lebensformen „gottgeweihten Lebens“ (lat. vita consecrata, im Kirchenrecht cann. 573-755 CIC) und die klösterlichen Gemeinschaften in der katholischen Kirche ab dem Mittelalter in ‚Orden‘ (lat. ordo: Ordnung, Stand) organisiert und im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche neue Orden mit den jeweiligen Herausforderungen entsprechenden Charismen und variierenden Schwerpunkten gegründet. Sie haben sich in Ordensregeln und Konstitutionen niedergeschlagen, auf die sich Ordensmitglieder durch Profess bzw. Gelübde lebenslang verpflichten, um ihrer freien Hingabe an Gott auf diese Weise Form und Verbindlichkeit zu verleihen. In den Kirchentümern der Reformation fand das Ordensleben de facto ein Ende, wurde aber im 20. Jh. mit der Gründung einzelner Kommunitäten wiederentdeckt.
 

Die Wurzeln des Mönchtums reichen zurück zu den Asketen(gruppen) in den frühchristlichen Gemeinden, die den durchaus radikalen Umkehrruf Christi angesichts seiner Proklamation von Gottes Reich und überwältigender Liebe möglichst ungeteilt zu beherzigen suchten. Die sog. evangelischen Räte Armut, Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Mt 19,12; 1 Kor 7,32-35) und Gehorsam (Phil 2,8; Joh 5,30) in Nachahmung Christi sind bis heute konstitutiv für das Mönchtum und bilden die drei zentralen Gelübde vieler Orden. Sie sollen zu einem „engelgleichen Leben“ (griech. bios angelikos, eine alte Umschreibung des Mönchtums, gewissermaßen die Auferstehung antizipierend und prophetisches Zeichen für das anbrechende Gottesreich, vgl. Lk 20,34ff) in ungeteilt-liebender Freiheit für Gott und den Nächsten führen – gerade durch den Verzicht auf alle exklusiven Bindungen an Dinge/Besitz, Menschen und jeglichen (egoistischen) Eigenwillen. Herzschlag hierfür ist das Gebet. Zu dessen Vertiefung wurden u.a. auch Fasten, Wachen und die entschiedene Ausrichtung auf Christi Wiederkunft seit biblischer Zeit geübt (vgl. z.B. 2 Kor 6,4-7; Eph 6,10-18) – Pfeiler, worauf sich die christliche Askese entfaltete (askein: üben), gleichsam „Seelen-Sport“: „Übungen“ zu innerer Reinigung, Gesundheit und umfassender Harmonie von Seele, Geist und Leib (z.B. Gebetshaltungen, Riten, Fasten). Kritisch adaptiert wurden dabei auch populäre Einflüsse zeitgenössischer Philosophie (Herrschaft über die Leidenschaften) und des (Spät)Judentums (Reinheit des endzeitlichen Gottesvolks).

Athenagoras schreibt wohl 177 hinsichtlich des Jungfrauen-Stands bzw. der Aseketen in christlichen Gemeinden (gleichsam nach dem Motto 'Schön leben statt nur schöne Sprüche'): "Da wir also Hoffnung auf ein ewiges Leben haben, so erstreckt sich unsere Weltverachtung selbst auf solche Genüsse, die nur in Vorstellungen bestehen. ... Indes kann man unter unseren Glaubensgenossen viele finden, Männer und Frauen, die alt werden, ohne zu heiraten, in der Hoffnung auf um so innigeren Verkehr mit Gott. Wenn das Verharren im jungfräulichen Stande beide Geschlechter Gott näher bringt, wenn schon ein Gedanke oder eine Begierde von ihm wegführt, so verabscheuen wir noch viel mehr die Vollbringung dessen, was wir uns nicht einmal zu denken erlauben. Denn nicht im Aussinnen schöner Sprüche besteht unser Leben, sondern in der Ausführung schöner Taten und in der Anleitung hiezu" (Apologie, 33).

Als die Gemeinden wuchsen und die ursprüngliche Entschiedenheit schwand (v.a. dann nach der Konstantinischen Wende), zogen sich ab dem 3. Jh. immer mehr Asketen zurück in die Einsamkeit und wurden Anachoreten (anachorein: sich zurückziehen), Einsiedler bzw. Eremiten (eremia/eremos: Einsamkeit, Öde, Wüste), eben Mönche (monachos: allein Lebender). Die Wüstenerfahrungen Israels, das Vorbild der Propheten Mose, Elija und Johannes des Vorläufers, aber auch Jesu 40-tägiges Fasten mit den Versuchungen in der Wüste warfen ein neues Licht auf den eigentlich lebensfeindlichen Ort als besonderen Erprobungs- und Begegnungsraum mit Gott (vgl. Hos 2,16ff).

In der äußerst wirkungsreichen Vita Antonii (um 358) werden die Anfänge der Bewegung exemplarisch greifbar. Als Initialimpuls für das Mönchtum erscheint hier das von Antonius bei der Evangelienverkündigung in der Liturgie existentiell gehörte Wort Christi von der Vollkommenheit und Nachfolge im Zurücklassen aller irdischen Bindungen zur Ausrichtung auf das Himmlische: "Wenn du vollkommen sein willst, geh hin, verkaufe alles, was dein ist, und gib den Erlös den Armen und folge mir, und du wirst einen Schatz im Himmel haben" (Mt 19,21). Unzählige Schriftzitate und -anklänge in der Vita verdeutlichen, dass es im Grunde um ein entschiedenes Leben nach dem Evangelium geht – das Wort Gottes nicht nur hörend und theoretisch „wissend“, sondern konkret daraus lebend, es als Zentrum des Lebens möglichst unmittelbar in der Tat befolgend (Antonius verlässt gemäß der Vita nach dem Evangelium die Kirche und verschenkt augenblicklich den ererbten Besitz seiner kurz zuvor verstorbenen Eltern!), die eigenen Sehnsüchte und Unzulänglichkeiten, Gaben und Anfälligkeiten von Gottes Wort und Gegenwart durchleuchten und durchlichten lassen. Die Nachfolge Christi versteht Antonius offensichtlich zunächst als Weg nach innen hin zur ungetrübten Gemeinschaft mit Gott (vgl. z.B. Joh 14f; 1 Kor 3,16), der ihn nach jahrzehntelanger asketischer Auseinandersetzung mit dem Bösen in der Einsamkeit der Wüste (die Schilderungen heftiger Dämonenkämpfe hat nicht zuletzt die Kunst der Jahrhunderte fasziniert) zu einem „gottbegeisterten“, im „Innern reinen“ Menschen der Seligpreisungen reifen lässt, durch den der Herr wirkt (eine schöne, ökumenisch tragfähige Beschreibung eines „Heiligen“ – alle Heiligkeit gründet in Gott). Nun hilft Antonius Unzähligen als Heiler von Krankheiten, Befreier vom Bösen, Tröster, Versöhner, Friedensstifter, Ratgeber und Lehrer. Seine Unterweisungen kreisen hauptsächlich um das große Thema der Unterscheidung der Geister.

Um solche charismatische, in Christus und im Heiligen Geist lebenden Altväter bilden sich Gemeinschaften und ganze Einsiedlerkolonien mit z.T. hunderten von Mönchen. Man singt Gottes Lob, besucht und hilft sich gegenseitig materiell und v.a. auf dem Weg der Gottsuche (geistliche Vaterschaft, vgl. Apophthegmata patrum). Evagrius Ponticus (345-399) hat als erster mündliches Erfahrungswissen ägyptischer "Gottesathleten" schriftlich konzeptualisiert, wobei in sein umfangreiches Werk auch Ansätze des asketischen Geistesgröße Origenes sowie seiner kappadokischen Lehrer, Basilius des Großen und Gregor des Theologen, eingeflossen sind. In der sog. Acht-Laster-Lehre z.B. gibt er praktische Hilfestellungen für den geistlichen Kampf gegen die Wurzelsünden, hindernde Gedanken und Muster hin zur unerschütterlichen Leidenschaftslosigkeit (apatheia) in gotterfüllter Stille (hesychia) und reinem unablässigen Gebet (vgl. 1 Thess 5,17; Lk 18,1), gerade auch für die ganze Welt. Ein Mönch ist für Evagrius, „wer von allen getrennt und mit allen verbunden ist“ (orat. 124). Das Leben in Umkehr und Buße und der Kampf gegen das Böse im eigenen Herzen (militia Christi) werden nicht allein im Hinblick auf das eigene Heil geführt, sondern auch stellvertretend als Teil des Leibes Christi, der Kirche, und im Hinblick auf die Heiligung der Welt, also der Sorge um alle Menschen und die ganze Schöpfung. Nach der Zeit der Verfolgungen bis zum "blutigen Martyrium" (martyrion: Zeugnis) für Christus möchten die Mönche ein lebenslanges „weißes/unblutiges Martyrium“ der Ganzhingabe geben und die Erwartung seines Kommens lebendig halten.

Pachomius, in trostloser Lage als für das römische Heer Zwangsrekrutierter von der Nächstenliebe uneigennützig helfender Christen zuinnerst getroffen, bringt diesen Impuls ins Mönchtum ein: Noch in der Gefangenschaft betet der heidnisch aufgewachsene Pachomius zu dem ihm noch unbekannten Gott: Rette mich aus dieser Not und ich werde alle Tage meines Lebens dem Menschengeschlechte dienen.“ (Bohairische Vita, 7) Gleich nach seiner unerwarteten Entlassung aus dem Heer lässt er sich taufen, pflegt Kranke in der örtlichen Gemeinde, fühlt sich dann aber zum Mönchtum berufen; nach einer anachoretischen (Lehr-)Zeit bei einem Eremiten namens Palamon gründet er nach wiederholten Visionen und mit dessen Segen schließlich Gemeinschaftsklöster nach dem Ideal urchristlicher Lebens- und Gütergemeinschaft (Apg 4,32-37), in die tausende Mönche und Nonnen eintreten. Er verfasst als erster eine Regel als mittleres Richtmaß für alle – auch die Oberen – und wird so zum Begründer des Koinobitentums (koinos bios: gemeinsames Leben). Hierdurch sollte das monastische Leben leichter und für jedermann erreichbar sein, nicht zuletzt durch die maßvolle Bewahrung vor den Gefahren der Anachorese (Willkür, Übersteigerung oder Nachlässigkeit). Gebet und Arbeit, Mahlzeiten und Wohnen sind gemeinsam geregelt im Klosterkomplex, die Heilige Schrift soll möglichst auswendiggelernt und ständig meditiert werden. Zur anachoretischen Tugend-Askese, wie Demut, Sanftmut (vgl. Mt 11,29), Schweigsamkeit (Mt 26,63), Geduld, Achtsamkeit etc. kommt der tägliche Dienst am Nächsten hinzu.

Zu Pachomius Klosterverband zählten bei dessen Tod auch zwei Nonnenklöster unter der Leitung seiner Schwester Maria. Aus offensichtlichen Gründen wurde von Frauen das Leben hinter schützenden Klostermauern bevorzugt, wenngleich es auch Eremitinnen gab. In den Apophthegmata kommen neben den 128 Abbas (geistbegabte Mönchs-"Väter") auch drei Ammas (das weibliche Äquivalent) zu Wort: Sarrha, Theodora und Synkletika (ihr schlossen sich in der Einöde bei Alexandria viele Jungfrauen an). Dass einige Asketinnen sich als Männer bzw. Eunuchen kleideten – und in die innere Wüste gingen, wo dies manchmal erst nach ihrem Tod entdeckt wurde, wie bei den Heiligen Pelagia, Marina, Euphrosyne, Theodora, Anastasia –, wurde auf der Synode von Gangra um 340/341 eigens anathematisiert. Dies scheint jedoch nur wenig Eindruck gemacht zu haben. Selbst Kaiser Zenos († 491) Tocher Hilaria ging als "Mönch Hilarius" in die Wüste Sketis. Im Kloster der Amma Talida in Antinoë/Oase Fayum standen – nach Palladius – die Türen Tag und Nacht offen für Hilfsbedürftige, ohne dass die dortigen 60 Jungfrauen je von Einbrechern belästigt wurden oder ohne Erlaubnis das Kloster verlassen hätten. Rufinus berichtet von 20.000 Jungfrauen in Oxyrhynchus u.a.m.

Ab der Mitte des 4. Jh. finden sich Mönche überall um das Mittelmeer. Mönchs-Protagonisten wie die Heiligen Antonius (251-356), Pachomius (um 291-346), Makarius (um 300-390), Basilius (um 330-379), Euthymius (376-473) – alle mit dem Beinamen „der Große“ –, im Westen Martin von Tours (um 316-397), Johannes Cassian (um 360–435; er gründet Klöster bei Marseille und überliefert bücherweise Tradition aus Ägypten und Palästina, wo er 15 Jahre "in der Lehre" war) und viele andere inspirieren durch ihr Leben und Wort Massen zur Nachfolge oder zu einem vertieften Christsein, gerade auch in den Städten. So ruft Augustinus (354-430), nachmals Bischof im nordafrikanischen Hippo, tief beeindruckt von Antonius Vita, die bei seinem Bekehrungsprozess eine wichtige Rolle spielt: „Ungelehrte stehen auf und reißen das Himmelreich an sich, und siehe da, wir mit unserer Gelehrsamkeit, wir wälzen uns in Fleisch und Blut herum!“ (Conf. 8,6-8). Pilger(gruppen) suchen bekannte Herzenskenner, prophetische Christus- und Geistträger, Therapeuten und Wundertäter auf mit der Bitte um Rat und Weisung (Reiseberichte, z.B. Historia Lausiaca).

Zur Dynamik der monastischen Bewegung mögen auch Faktoren beigetragen haben wie grassierende wirtschaftliche Probleme, Steuerdruck oder eben drohender Militärdienst, denen man sich durch die Anachorese entziehen konnte. Aber allein vermögen sie das Phänomen nicht zu erklären. Bei vielen herrschte ein echtes Bedürfnis nach spiritueller Führung, der Befreiung von Leidenschaften, dem Auszug aus der „verweltlichten Welt“ und einem bewussten Leben ganz in der Gegenwart Gottes. Auch sehr reiche Witwen waren der Askese zugetan und unterstützten oder gründeten selbst Klöster, wie die Römerinnen Melania (mit Rufinus) auf dem Ölberg bei Jerusalem oder Paula (mit Hieronymus) in Betlehem. Durch neue Niederderlassungen, sowie durch Austausch und Kontakten von Mönchen und Asketenkreise auch über weite Entfernungen gelangen Lokaltraditionen in andere Gegenden und neue Kontexte und das Mönchtum verbreitet sich immer weiter.

Mit variierender Gewichtung der Brennpunkte

  • Gott & den Menschen dienen (Pachomius, Brief Nr. 3)
  • Contemplatio & actiotheoria & praxis – Betrachtung/Schau & Werk/Tätigkeit
  • Ora & labora (& lege) – Gebet & Arbeit (& Lesung), vgl. bereits Vita Antonii 3,6f
  • Nachfolge Christi ad intra & ad extra
  • Gottes- & Nächsten-Liebe bzw. Gottes- & Liebes-Dienst

entstand eine Vielfalt an Lebensformen:

  • Wüstenväter und -mütter, v.a. in Ägypten, Palästina bis nach Mesopotamien
  • Semi-Anachoreten in Lawren, zuerst in der Judäischen Wüste
  • Großklöster, zB. des Pachomius, Schenute in Ägypten, des Honoratus († 430) in Lérins/Gallien
  • Kleine Brüder- bzw. Schwesterngemeinschaften auf Landgütern, z.B. des Basilius in Kleinasien, maßgeblich beeinflusst von seiner Schwester Makrina mit ihrer Gemeinschaft
  • Reklusen und Reklusinnen schlossen sich zwecks völlig zurückgezogener Konzentration aufs Gebet in ihrer Zelle (Kellion) ein
  • Wandermönchtum im Anschluss an die Wanderapostel – Askese der "Hauslosigkeit" bzw. Fremdlingschaft (xeniteia) in der Nachfolge Christi
  • Ephräm und Evagrius Scholasticus berichten von "Hirten"-Mönchen (boskoi), die durch Wüsten und Einöden irrten und sich von wilden Baumfrüchten und Kräutern ernährten
  • Säulensteher predigten von ihrer kleinen Plattform ("öffentlich-gläserne" Extremaskese von Ortsbeständigkeit, Hitze wie Kälte ausgesetztem Unbehaustsein, Stehen bis ans Limit hoch oben "gen Himmel"), v.a. in Syrien; Simeon Stylites (um 390-459) z.B. zog Massen an
  • Dendriten (sic!) verzichteten sogar noch auf eine Säule und lebten in Baumkronen
  • Klerikergemeinschaften nach der Regel des Augustinus von Hippo
  • Akoimeten (Nicht-Schlafende) des Alexandros († um 430) zuerst am Euphrat, dann in Konstantinopel mit 24-stünd. Gebet in drei sich abwechselnden (Sprach)Gruppen (syr., griech., lat.), im Westen aufgenommen von Klöstern mit laus perennis
  • Basilika- und Stadtklöster (auch griechische z.B. in Rom, lateinische in Konstantinopel)

Manche begnadete Gottsucher scheinen anfangs mit voller Spannkraft ganz dem Gebet, dem eigentlichen und einzig notwendigen „Tun“ der Mönche, ergeben gewesen sein, um so die Dämonen in Schach zu halten und der Fülle der Geistesgaben gewürdigt zu werden – gleichsam „Engel auf Erden“, ganz Feuer und Flamme im Heiligen Geist; in äußerster Bedürfnislosigkeit, teils obdachlos in der Fremde lebend, galt ihnen jede andere Tätigkeit als Ablenkung, ja Versuchung (wegen der nicht ausbleibenden Sorgen, Handel etc.). Andere mit „etwas weniger Spannkraft“ begannen, mehr das Äußerliche nachahmend als sich dem Inneren hingebend, auf öffentlichen Plätzen herumzulungern und die Menschen anzuschnorren … Da solche das Mönchtum in Verruf brachten, bat der Bischof von Karthago den wortgewandten Augustinus und dieser verfasste eine Schrift Über die Handarbeit der Mönche (um 401). Darin hält er den „arbeitsscheuen“ vagabundierenden Mönchen, die vorgeben alle Zeit für Gebet, Psalmengesang, fromme Lesung und Wort-Verkündigung zu benötigen, entgegen: Psalmen und Gebet lassen sich nach dem Vorbild der ägyptischen Mönche auch während der Arbeit verrichten; das Bibel-Lesen indes nützt nichts, wenn man das Gelesene nicht umsetzt, nämlich von seiner Hände Arbeit zu leben wie die alttestamentlichen Patriarchen und der Apostel Paulus (1 Thes 2,9; 2 Thes 3,8.10; Apg 20,34f u.ö.). Sollten sie sich aber aufgrund eines falschen Schriftverständnisses z.B. darauf berufen, nach Mt 6,26 wie die Himmelsvögel zu leben, dann sollen sie auch keine Vorräte sammeln, nicht mahlen, backen etc. … und wenn sie dann auf den Feldern Fremder naschen gingen, rät Augustinus ihnen beißend ironisch, sollten sie doch Gott auch um Flügel bitten, damit der Feldwächter sie nicht fangen könne.

Dies Beispiel zeigt: Das Mönchtum mit seinen Idealen ist stets gefährdet von Missinterpretation und Selbsttäuschung – bis hin zu Fanatismus oder Dekadenz –, Fallen, vor denen demütige Selbsterkenntnis und redliche Aufmerksamkeit auf die eigenen Herzensregungen unter Anleitung geistlich Erfahrener eigentlich bewahren sollten. Wie in jedem Lebensentwurf gehört auch zum Mönchtum realistische Erdung. Die Arbeit hat sich letztlich als konstitutives und diesem zuträgliches Element durchgesetzt: um niemandem zur Last zu fallen, die Unabhängigkeit zu wahren, sodann als Heilmittel gegen den Überdruss (acedia) und zur Bewährung in Geduld, Demut und Herzenseifer, und nicht zuletzt um Notleidenden, Armen, Pilgern helfen und Gastfreundschaft gewähren zu können. Cassian berichtet von den erwähnten ägyptischen Mönchen: „Jeder in seiner Zelle, so arbeiten sie ohne Unterlass mit ihren Händen, ohne jedoch jemals von der Meditation der Psalmen und der anderen Schriften abzulassen; jeden Augenblick fügen sie Gebete und Orationen ein. So verbringen sie den ganzen Tag …“ (Inst. 3, 2). Denn in „Ägypten gilt der von alters her von den Vätern aufgestellte Grundsatz: Ein Mönch, der arbeitet, wird von einem (Arbeits-)Teufel gezwickt, ein arbeitsscheuer wird von zahllosen Dämonen überfallen“ (Inst. 10, 23).

„Das ganze Abzielen des Mönches und die ganze Vollkommenheit des Herzens geht auf die beständige und ununterbrochene Beharrlichkeit im Gebete und strebt, soweit das der menschlichen Gebrechlichkeit möglich ist, nach einer unbeweglichen Ruhe des Geistes und immerwährenden Reinheit. Um dies zu besitzen, suchen wir unermüdet sowohl die Mühe des Körpers als die Zerknirschung des Geistes und üben sie beständig, und es besteht zwischen beiden eine gewisse gegenseitige und untrennbare Verbindung“ (Coll 9,2).

Mit wachsender Erfahrung und der Korrektur von Fehlformen (z.B. die problematischen Strömungen der Euchiten/Messalianer) kristallierte sich ein geistlich-praktisches Fundament heraus, das das Mönchtum in Ost und West in der Tiefe verbindet, so gesehen – in Ausfaltung und Konzentration, Einheit und Vielfalt – eine eminent „ökumenische“ Bewegung (i.S.v. die Christenheit umspannend), die in vielen Regionen maßgeblich zur Christianisierung und Glaubensverbreitung beigetragen hat (z.B. die sog. "13 Syrischen Väter" in Georgien). Oft leisteten Klöster in Ost und West fruchtbare Aufbauarbeit bei der Glaubens-, Fertigkeits- und Wissensverbreitung und bildeten sodann die religiösen und kulturellen Zentren ihres Landes (z.B. in Irland, s.u.).

Andererseits traten Mönche auch immer wieder streitbar und "handfest" für ihre "Überzeugungen" ein. So eskalierten z.B. 399 in der unterägyptischen Wüste (Sketis) die sog. origenistischen Streitigkeiten und ca. 300 als „häretische Origenisten“ verunglimpfte, griechische Theologen und gelehrte Mönche (darunter Johannes Cassian), die einer anthropomorphistischen Auslegung von Gen 1,26f widersprachen, wurden von koptischen Mönchen vertrieben. Kurz nach 450 wurde dann in der Einsiedlerkolonie der Kellia eine zweite Haupt-Kirche (am Sonntag feierte man gemeinsam Gottesdienst) gebaut – aufgrund des monophysitischen Schismas.

Ziemlich "speziell" waren die Verhältnisse in Irland. Die Anfänge des dortigen Christentums (vor dem hl. Patrick im 5. Jh.) sowie zu vermutende Verbindungen des iro-schottischen zum ägyptischen und syrischen Mönchtum liegen im Dunkeln. Von den Wirren der Völkerwanderung nicht tangiert, erblühten die Klöster und bildeten unter der Leitung von Äbten oder Äbtissinnen (nicht von Bischöfen) ab dem 6. Jh. die kulturellen und religiösen Zentren des Landes. Auch Doppelklöster mit Mönchen und Nonnen konnten von einer Äbtissinnen geleitet werden, der dann auch der Bischof – ein Mönch des Klosters – unterstand. Keineswegs zimperlich in ideenreicher Askese, eifrig in Studium und Gebet wurde Irland zur „Insel der Heiligen und Gelehrten“. Pracht-Evangeliare (v.a. aus dem 7.-9. Jh.) lassen Einflüsse aus Byzanz vermuten. Die Bedeutung wanderfreudiger irischer Mönche für die Kultur und das Christentum im Abendland ist immens. Allein Gott vertrauend fuhren sie übers Meer, missionierten (in zwei Wellen: die erste vom 6.-8. Jh., die zweite im 11. Jh.), gründeten Klöster, überlieferten griechische und lateinische Texte, leiteten Palast- und andere Schulen (u.a. die Heiligen Columban von Luxeuil † 615 in Bobbio; Fridolin † 538; Gallus † 640 (?); Kilian, Kolonat und Totnan † um 689; Disibod † 700; Virgil † 784).

Generell dürfte der Einfluss griechischen Schrifttums, etwa die Übersetzung der Werke des Dionysius Areopagita (um 500 wohl aus west-syrischem monastischem Kontext) unter Abt Hilduin von Saint-Denis zwischen 832 und 835 (wohl unter Mithilfe griechischer Mönche), auf die geistliche und mystische Tradition auch im Westen kaum zu überschätzen sein. Überhaupt hat das Mönchtum in Ost und West der Christenheit einen unerschöpflichen Schatz spirituellen Schrifttums geschenkt, der v.a. seit dem 20. Jh. wieder neu entdeckt wird und über Konfessionsgrenzen hinweg das geistliche Leben,. die Theologie und die Ökumene immens befruchtet, indem er an die gemeinsame(n) Quelle(n) führt.

Auch wenn Klöster mitunter (durch Stiftungen oder schlicht gutes Wirtschaften in Arbeitsteilung) zu großem Reichtum kamen, blieb der monastische einfache Lebensstil der Einzelnen ein Gegenpol zum zunehmenden Reichtum der Staatskirche und war zu verschiedenen Zeiten Quelle von Re-formen und Erneuerung der Kirche - mit „Heimweh nach der Urkirche“ (K.S. Frank).

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Das ostkirchliche Mönchtum basiert auf der heiligen Überlieferung der Väter. Für die byzantinische Mönchs-Tradition bedeutsam sind u.a. die biblisch tiefenimprägnierten „Regelwerke“ des hl. Basilius, die Klimax des hl. Johannes vom Sinai und generell die Viten, Spruchsammlungen und Schriften der heiligen Mönchsväter. Die umfangreichen Gottesdienst- und Fastenvorschriften regelt das „Typikon“ (alte Klöster hatten ihr eigenes; die beiden heute maßgelichen Strömungen gehen zurück auf das Sabas-Kloster bei Jerusalem und das Studios-Kloster in Konstantinopel). Zu den (gemeinsamen) Gottesdiensten des kirchlichen Offiziums mit seinen prägenden Hymnen und Riten kommt die mit dem Segen des geistlichen Vaters verrichtete individuelle Zellengebetsregel in der Stille. Zentral ist dabei oft das Jesusgebet, das auch mit der Handarbeit verbunden wird. Mancherort gilt als Ideal: insgesamt acht Stunden Gebet, acht Stunden Arbeit und acht Stunden Erholung (Schlaf, Mahlzeiten etc.) am Tag. Einzelne Klöster pflegen auch publizistische oder caritative Tätigkeiten (z.B. Elisabeth-Kloster in Minsk). Die Aufnahme neuer Mönche und Nonnen vollzieht sich je nach Ortsbrauch stufenweisen bis hin zur Mönchsweihe (also Noviziat, Rasophoria, Kleines und Großes Schima).

Klöster spielen eine wichtige Rolle als geistliche und liturgische Zentren, aber auch weil die Bischöfe dem Mönchtum entstammen. Auf dem Hl. Berg Athos, einer Mönchsrepubik in Griechenland, existieren die drei Hauptformen – 20 Großklöster, unzählige kleinere Gemeinschaften (Skiten und Kellien) verschiedener Nationalitäten sowie Einsiedler – nebeneinander, fast 300 Jahre lang übrigens auch ein Kloster „lateinischer“ Benediktiner von Amalfi. So fanden auch einige Passagen der Benediktsregel, z.B. aus Kap. 66 über den Pförtnerdienst, Aufnahme im Typikon des ersten Athos-Klosters, der Großen Lawra, gegr. um 965 vom hl. Athanasius. 1287 wurde das inzwischen verwaiste Amalfitaner-Kloster an die Gr. Lawra übertragen, also erst über 230 Jahre nach dem sog. Schisma! Berufungen in all diese Mönchs-Formen – Koinobien, Skiten und Anachoreten – werden als Zeichen der Gesundheit der Kirche betrachtet, so können sich die Charismen im Leibe Christi gegenseitig bereichern.

In der Kiewer Rus‘ (altrussisches Großreich, Vorläufer der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland) verbreitete sich das Mönchtum ab dem 11. Jh. v.a. durch die Heiligen Antonij und Feodosij. Antonij wurde Mönch auf den Athos und von dort nach einigen Jahren zurück in seine Heimat gesandt. Als Anachoret bezog er eine Höhle am Ufer des Dnepr, wo sich ihm zahlreiche Schüler anschlossen, darunter Feodosij, der als Begründer des russischen Koinobitentums gilt. Das an dem Ort entstandene Kiewer Höhlenkloster trägt den Ehrentitel Lawra, wie auch die vom hl. Sergij vom Radonež (1314-1394), dem geistigen Bollwerk gegen den Tatarensturm, gegründete Dreifaltigkeits-Sergijew-Lawra bei Moskau. Auch hier urteilt einer der namhaftesten Kenner, Igor Smolitsch: „Hinter den Mauern des alten russischen Klosters sind die Anfänge der russischen Kultur zu suchen. Außerhalb ihrer ist sie weder zu begreifen noch zu erklären. Unter dem Schutz der orthodoxen Kirche aufgewachsen, hat sie, nachdem sie das Kloster hinter sich gelassen hatte, auch späterhin bei ihrem Eintritt in das weltliche Leben ihre Herkunft nicht verleugnet.“

Oft wurde das östliche Christentum generell als „mönchisch“ bezeichnet. Und in der Tat hat das Mönchtum – als Ideal und ganz real – die Ostkirche intensiv geprägt, etwa durch die monastische Überformung der alten (Volks-)Kathedralliturgie, durch die berühmten Mönchs-Hymnographen und -Theologen – Johannes von Damaskus beispielsweise glänzte in beidem und er verhalf mit seinen Schriften zusammen mit unbeugsamen Mönchskreisen der so sehr für „die Orthodoxie“ stehenden Ikonenverehrung zum Durchbruch (gegen den Ikonoklasmus im 8./9. Jh.) –, durch Beter und Geistliche Väter (im 19. Jh. pilgerte „ganz Russland“, Intellektuelle wie Bauern, zu seinen Starzen) und ein gewisses „asketisches Ethos“, wie gern angeführt wird (dies wurde allerdings wohl erst im 19. Jh., wo asketische Selbstbeherrschung auch in anderen Konfessionen und bei großen westlichen Denkern populär war, wieder stark betont, z.B. von Gelehrten der Akademie in Sergiev Posad, aufgrund der Angst vor Überfremdung durch „protestantischen Mystizismus“). Jedenfalls betont das Heilige und Große Konzil der Orthodoxen Kirche (2016) auf Kreta erneut die „Askese als Gegenpol zu Konsumorientierung“ (Enzyklika, Nr. 14). „Christliche Askese und die Übung der Selbstbeschränkung, welche den Menschen mit dem sakramentalen Leben der Kirche verbinden, betreffen nicht alleine das monastische Leben, sondern sind charakteristisch für das kirchliche Leben in all seinen Ausprägungen als ein sichtbares Zeugnis für die Gegenwart des eschatologischen Geistes im gesegneten Leben der Gläubigen.“ (Nr. 13)

In den russischen Gebieten konnte die orthodoxe Kirche und somit auch das Mönchtum unbeschadet der Ausbreitung des Islam weiterexistieren. Im Nahen Osten, Nord-Afrika und Kleinasien dagegen brachte die arabische Invasion ab dem 7. Jh. nach und nach den Niedergang unzähliger Köster und Eremitensiedlungen (auch der ägyptischen Zentren), nur eingeschränkt konnten Mönche die Tradition weiterleben und -geben. Durch Emigration entstanden v.a. im 20 Jh. große Gemeinden und Klöster orientalischer Kirchen in Nordamerika und Westeuropa, was die Ökumene vor Ort bereichern kann (z.B. syr.-orth. Kloster St. Jakob v. Sarug in Warburg, kopt. Kloster St. Antonius in Kröffelbach, in Brenkhausen).

Im griechischen Raum und auf dem Balkan hatten die Klöster ab dem 14./15. Jh. für etwa 400 Jahre Repressionen unter osmanischer Besatzung zu erdulden. Hier waren die Klöster von großer Bedeutung für die Bewahrung und Überlieferung griechischer und slawischer Sprachen und Eigenkultur, angefangen beim Lesen, (Ab-)Schreiben und Auswendiglernen in Klosterschulen. Und auch bei der Entstehung der Nationalstaaten im 19. Jh. spielten sie mitunter eine wichtige Rolle als Identifikations- und Sammlungsorte.

Im 20. Jh. hatten dann die Kirchen und besonders das Mönchtum der ehem. "Ostblockländern" unter drakonischen Sanktionen, Enteignungen und Verfolgungen durch die kommunistischen Regime zu leiden. Auch in diesem Fall entstanden durch Emigration bedeutende Zentren russischer Tradition im Westen, die in der Vermittlung orthodoxer Theologie gerade auch in der ökumenischen Bewegung Bedeutendes leisteten. Die Russische Auslandskirche gründete auch Klöster (z.B. in München). Nach der Wende blühte das monastische Leben in Russland, Rumänien etc. sogleich wieder auf, zurückgegebene Klöster wurden wiedereröffnet, saniert und neue errichtet, zahlreich traten junge Frauen und Männer ein. 

Eine sagenhafte Renaissance durfte seit den 1960er-Jahren die koptische Kirche erleben, wo das Mönchtum zum Ferment der Erneuerung wurde. Charismatische Gestalten wie Papst Kyrill (1902-1971) oder der Abt des berühmten Makariusklosters Matta al Maskin (1919-2006) hatten (1927 und 1948 unabhängig voneinander) das Mönchtum angenommen und sich sodann als Einsiedler zu Gebet und harter Askese zurückgezogen. Ihre Ausstrahlung führte zu einer Erweckungsbewegung, zur Wiederentdeckung der Kraft des Gebets, der Heiligen Schrift, der eigenen Tradition, kurz zur Erneuerung ihrer Kirche von ihren Ursprüngen her. Sonntagsschulen unterrichten die begeisterte Jugend von klein auf, (z.T. fast verfallene) Wüstenklöster füllten sich wieder mit Mönchen und Nonnen und werden am „Wochenende“ als Wallfahrtsorte zu Gottesdienst und Gespräch von Gemeinde-Bussen angesteuert. Teils leben die Mönche auch in Klöstern idiorhythmisch, also „nach eigenem Rhythmus“ eremitisch mit Gemeinschaftselementen (z.B. Gottesdienste). Neben den kontemplativ lebenden Nonnen mit Tätigkeiten im Kloster wurden "Diakonissenorden" (O. Meinardus) ins leben gerufen, als erster 1965 die "Marientöchter" durch Metropolit Athanasius von Beni Suef, wie die Nonnen mit den bekannten pachomianischen Verpflichtungen: Armut, Keuschheit, Gehorsam, Schweigen, Arbeit, koinobitische Gemeinschaft, Dienst am Nächsten – und dies eben auch "nach außen" in Kliniken, Kindergärten, Altenheimen, Jugend-Erziehung, Gäste- und Tagungsbetrieb, Hauswirtschafts- und religiöse Kurse etc.

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Zu Anfang des 9. Jh. endete im Westen die Zeit der Mischregeln (zw. 4.-7. Jh. sind ca. 30 Regeln bekannt, z.B. Columban-, Vier-Väter-Regel); die Karolinger schieden die Kanoniker- (auf Basis der Augustinusregel) von den Mönchs- und Nonnengemeinschaften und setzten letzteren die Benediktsregel (RB, um 540) zur Norm. Diese betont die „maßvolle Unterscheidung“ (discretio) als „Mutter aller Tugenden“ (RB 64,18f) und lässt sich daher gut an verschiedene Orts- und Zeitumstände adaptieren. Manch zentrale Themenfelder streift die RB, als quasi „selbstverständlich“, lediglich in Nebensätzen (z.B. inneres Gebet, Tränen der Ergriffenheit, Eucharistie) und verweist ausdrücklich auf die Tradition der Väter, namentlich Basilius und Cassian, also das mit dem östlichen Mönchtum gemeinsame Fundament des 1. Jahrtausends, um so „unter der Führung des Evangeliums“ Gottes Wege zu gehen, „damit wir ihn schauen dürfen, der uns in sein Reich gerufen hat.“ (RB Prol. 21)

Die drei Mönchs-Gelübde Orts-Beständigkeit (stabilitas loci), klösterlicher Lebenswandel (conversatio morum, incl. persönlicher Armut und Keuschheit) und Gehorsam zielen auf hörende Ganzhingabe, innere Stabilität und Harmonie. Hierfür weist die RB auch den monastischen Kernvollzügen Gebet, (Hand-)Arbeit und (geistliche) Lesung – zur Hinordnung von Herz, Leib und Geist auf Gott – feste und ausgewogene Zeiten zu.

Daneben tritt die Pflege der Wissenschaften (etwa nach Cassiodors Kloster-Konzept in Vivarium 554). Symbolisch hat man vom Beginn der Translatio studiorum im Jahre 529 gesprochen, da in ihm die Schließung der Platonischen Akademie in Athen durch Kaiser Justinian und die Gründung des „Mutterklosters der Benediktiner“ auf dem Montecassino zeitlich just zusammenfallen. Zudem wurde das Mönchtum, eigentlich eine Laienbewegung, klerikalisiert und etwa ab dem 11. Jh. (lateinisch betende) "Chormönche" und (handwerklich arbeitende) Laienbrüder (innerhalb des Klosters) getrennt. 

Gegen weltliche Einflussnahme, Verzweckung, Dekadenz oder auch übermäßige Intellektualisierung wandten sich verschiedene Reformbewegungen, wozu sich Klosterverbände bildeten (z.B. Cluny ab 910, Gorze ab 933). Dabei gingen aus den Benediktinern u.a. die Zisterzienser und Trappisten hervor. Sie bilden zusammen mit den Kartäusern, die im 11./12. Jh. an die semi-eremitischen Lawren mit strengem Schweigen anknüpften, die kontemplativ ausgerichteten „monastischen Orden“. Diese fungierten als Glaubens-, Christianisierungs-, Kultur-, Bildungs- und Innovationsträger (Landwirtschaft, Handwerk etc.) der mittelalterlichen Gesellschaft und verkörperten dabei doch nach wie vor eine Art "Gegenkultur", als die sie im spätantiken Christentum entstanden waren. In der mittelalterlichen Blüte gab es allein bis zu 37.000 Benediktiner-Klöster.

Die aus der asketischen Wanderpredigt horvorgegangen Gründungen der Gilbertiner in England (um 1130-1519) oder der Prämonstratenser 1121 (Chorherren auf der Grundlage der Augustinusregel) lebten teils – zu dieser Zeit nicht ungewöhlich – in Doppelklösters von für Frauen und Männer getrennten Konventen. Von den Idealen der Zisterzienser beeinflusst und an der Benediktsregel orientiert, verbinden die Prämonstratenser von Anfang an kontemplatives Leben mit Seelsorge nach außen (vita mixta).

Von "Orden" als nach ihren jeweiligen verbindlichen Consuetudines mehr oder weniger "organisierte Verbände geistlischer Gemeinschaften" innerhalb der katholischen Kirche lässt sich also erst ab dem hohen Mittelalter sprechen.

Lebendige Ost-West-Beziehungen bis ins 13. Jh.

In Süditalien, Kolonie des alten „Großgriechenland“, wo einzelne Gebiete (nicht gerade zur Freude Roms) bis ins 11. Jh. Konstantinopel unterstanden, herrschte ein Neben-, Mit- und Ineinander von griechischer und lateinischer Kultur und ebenso in Ritus, Kanonistik und Mönchtum. Ein „fast pneumatischer Zug“ ließ Fragen der Jurisdiktion hier oft in den Hintergrund treten. „Nie hören wir, daß die heiligen Mysterien als solche umkämpft wurden.“ (Michel, Ostk. Stud. 1952, 154)

Angesichts der zunehmenden Sarazenen-Gefahr flohen viele griechische Mönche aus Kalabrien nach Norden, z.B. nach Rom oder auf den Athos (wo es auch kalabrische Klöster gab), was für noch mehr Austausch sorgte und die Mönche verband. Der hoch angesehene kalabrische Mönch Nilus von Rossano (ein Zentrum griech. Mönchtums) wurde mit seinen 60 Gefährten auf dem Weg nach Norden um 960 in Montecassino so ehrenvoll empfangen, „als sei der hl. Benedikt selbst von den Toten auferstanden“ (Vita S. Nili, PG 120) und man feierte griechischen Gottesdienst in der Basilika des hl. Benedikt. Als unter Manso, Abt von 986-996, die Sitten in Montecassino verfielen, verließ der davon wenig begeisterte Mönch Johannes (von Benevent) die Abtei, blieb sechs Jahre am Sinai, schloss sich dann der Gruppe lateinischer Mönche auf dem Athos an, die dem hl. Athanasius Athonites freundschaftlich verbunden waren (und ihm wohl die RB nahegebracht haben), und wurde schließlich selbst Abt von Montecassino. Um 1070 beauftragte man dort griechische Künstler zur Ausschmückung der Abteikirche nach griechischen Vorbildern, wie überhaupt zahlreiche Kunstschätze aus Montecassino (z.B. Miniaturen) und der ganzen Region byzantinischer Machart sind oder byzantinische Einflüsse aufweisen. Süditalien war diesbezüglich ein Schmelztiegel. Die wenigen Beispiele sollen genügen, um die engen Verbindungen zwischen griechischem und lateinischem Mönchtum (und Kirchentum generell) zu illustrieren, die dann durch den entgleisten IV. Kreuzzug mit der unsäglichen Plünderung Konstantinopels (gegen den Einspruch des Papstes) durch völlig verirrte „Lateiner“ 1204 und dessen Folgen (lat. Kaiserreich und Latinisierungsversuch der griech. Liturgie) schwer beschädigt und immer spärlicher wurden.

Eine dieser bleibenden Verbindungen: Der hl. Nilus gründete in seinem Todesjahr 1004 etwa 20 Kilometer südlich von Rom das Kloster Santa Maria di Grottaferrata, das nach wie vor unter römischer Jurisdiktion existiert und die Gottesdienste (ein stückweit latinisiert) nach dem byzantinischen Ritus feiert. Heute gehört die Territorialabtei zur Italo-albanischen Ritus-Kirche (insg. ca. 62.000 Gläubige), die 1784 für die im 15. Jh. nach Italien geflüchteten Albaner und zum Erhalt deren byzantinischer Ritustradition (die nicht latinisiert werden sollte) ins Leben gerufen wurde.

Sie ist eine der insgesamt 23 katholischen Ostkirchen, Teilkirchen verschiedener Ritusfamilien, die zu unterschiedlichen Zeiten (zuerst die Maroniten 1182 mit heute 3,4 Mio. Gläubigen) mit Rom in Union getreten sind (daher „Unierte“). Auch hier entstanden eigene Orden: Zu „Basilianern“ wurden die Klöster und Mönche mit byzantinischem Ritus, die unter römischer Jurisdiktion v.a. in Süditalien weiterexistierten, zusammengefasst (der erste Kardinalprotektor Bessarion stellte Mitte 15. Jh. eine Ordensregel zusammen). Heute umfasst der Basilianer-Orden mehrere Zweige und sowohl byzantinische als auch lateinische Gemeinschaften. Der Studiten-Orden wurde Anfang des 20. Jh. in der Ukrainischen griechisch-katholischen Kirche von Metropolit Andrej Scheptyzkyj (1865-1944) gegründet, um entgegen der starken Latinisierung (auch der dortigen Basilianer) die ursprüngliche ostkirchliche Mönchstradition in Orientierung am Studios-Typikon und den kirchenslawischen Traditionen wiederzubeleben. Nach dem Mönchsvater nannten sich Orden orientalischer Ritusfamilien: Armenische Atonianer, Chaldäische Antonianer, Syrische Antonianer, Äthiopische Antonianer. Die Maronitischen Antonianer wurden 1700 gegründet, ursprünglich monastisch-kontemplativ sind die ca. 174 Mitglieder heute aktiv in der Seelsorge sowie in Ökumene und interreligiösem Dialog. Sie gingen aus dem 1694 entstandenen Libanesischen Maronitischen Orden hervor (Mariamita ca. 130 Mitgl., Baladiten ca. 370 Mitgl.), dem auch der 1977 heiliggesprochene, weit über den Libanon hinaus verehrte Eremit und Wundertäter Scharbel Machluf (1828-1898) angehörte. Die weiblichen Zweige der (Libanesisch-)Maronitischen Antonianerinnen leben teils kontemplativ teils tätig in Erziehung und sozial-caritativ.

Ritterorden – eine Sonderform mit medizinisch-sozialem Engagement

Zum Schutz und zur Hilfe für Heilig-Land-Pilger entstanden in Jerusalem im 11./12. Jahrhundert geistliche Ritterorden, die Hospitäler und Hospize führten, z.B. die Johanniter/Malteserorden, heute ein souveränes, nichtstaatliches Völkerrechtssubjekt mit diplomatischen Beziehungen zu über 100 Staaten, aktiv in 120 Ländern mit medizinischer, sozialer und humanitärer Arbeit für Menschen in Not. Nichtkatholische Zweige, die in der Tradition des vorreformatorischen Jerusalemer Ordens stehen, schlossen sich 1961 zur Allianz der Orden vom Hl. Johannes von Jerusalem (Johanniter) zusammen (die Mitglieder verpflichten sich, für den Glauben einzutreten und zum Einsatz für Kranke und Hilfsbedürftige, nicht aber zu Gelübden im engeren Sinn).

Bettelorden

Als Antwort auf Gottes Ruf in den Nöten und Zeichen der Zeit bildeten sich weitere Orden mit entsprechenden Schwerpunkten in Gebet und Tätigkeit. Die Bettelorden reagierten im 13. Jahrhundert auf soziale und gesellschaftliche Umbrüche und Spannungen in den wachsenden Städten. Arm unter dem Volk leisteten diese neuen Gemeinschaften Hilfe, predigten und organisierten Volksmissionen – die Franziskaner eher in Verbindung mit der Seelsorge, die Dominikaner mit theologischer Wissenschaft und Katechese (auch gegen „Häresien“, später im Rahmen der Inquisition, die anfangs die Errungenschaft geordneter Verfahren brachte, dann aber z.T. in Willkür ausartete). Als orts- und besitz-unabhängige Personalverbände werden sie zu Trägern gesamtkirchlicher apostolischer Tätigkeiten in päpstlichem Auftrag (die so von den alten Orden und dem Diözesanklerus nicht übernommen werden konnten). Auch die Karmeliten (gegr. im 12. Jh. als Eremitenorden) und die Augustiner-Eremiten sind stark seelsorgerisch ausgerichtet. Mercedarier (frühes 13. Jahrhundert) wiederum sammelten Spenden zum Freikauf von in (Kriegs-)Gefangenschaft und Sklaverei im Orient geratene Christen (heute Schulen und Projekte gegen "neue Formen von Sklaverei“).

Neue Orden enstanden nun also nicht mehr primär als Reformen des ordo monasticus bzw. canonicus, sondern zur Reform des christlichen Lebens (vita apostolica/evangelica) bzw. infolge einer gewissen "Funktionalisierung" der vita religiosa. Das Zweite Konzil von Lyon 1274 gebietet weiteren Ordensgründungen (vorübergehend) Einhalt.

Weibliche Zweige werden als sog. II. Orden angeschlossen, das „Semireligiosentum“ männlicher und besonders weiblicher Laien durch die Errichtung sog. III. Orden (Terziaren) organisiert – bruderschaftsähnlich in der Welt oder „reguliert“ in klösterlicher Gemeinschaft. Die Karmelitinnen (15. Jh.) leben wie die Klarissen (13. Jh.) kontemplativ in strenger Klausur. Überhaupt änderte im Mittelalter nicht nur das Auftreten neuer Orden die religiöse Landkarte, sondern auch die religiöse Frauenbewegung und der starke Zuwachs an weiblichen Gemeinschaften, auch in den monastischen Orden und natürlich in den klosterähnlichen Beginen-Höfen asketischer Andacht, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert blühten (mittelalterliche Frauenmystik).

Die Franziskaner teilten sich 1517 in die Observanten und die Konventualen. Ersteren ist bis heute die Betreuung der Pilgerstätten im Hl. Land anvertraut, wo es auf so engem Raum immer wieder Konfliktstoff zwischen den Konfessionen gibt, aber jüngst auch mehr pragmatische Zusammenarbeit. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kamen als dritter franzikanischer Zweig die Kapuziner hinzu, die mit der Predigt ein Leben in kleinen Einsiedeleien abseits der Siedlungen verbanden und z.B. Pestkranken pflegten.

N.B. „Bettel-, Franziskaner- oder Augustiner-Mönch“ lässt sich also eigentlich nur im übertragenen Sinn sagen. Ein/e Ordensmann/-frau der Augustiner/innen z.B. gehört einem der augustinischen Ordenszweige an, also den Augustiner-Eremiten, den -Chorherren oder einem neueren Zweig.

Einsiedlertum

Auch im Westen gab es zu allen Zeiten Einsiedler und Inklusen (überwiegend Frauen), in Phasen intensiveren geistlichen Strebens und Bußbewegungen sogar eine regelrechte Begeisterung für das Eremiten-Ideal (z.B. um die erste Jahrtausendwende). Dies hat, wie angedeutet, immer wieder Orden inspiriert, neue Zweige (z.B. ab 1010 die Kamaldulenser als benediktinisch-eremitische Kongregation) sowie Gemeinschafts-Orden (z.B. die Karmeliten) hervorgebracht. Ab dem 16. Jh. schlossen sich Eremiten vermehrt zu Klausnervereinigungen zusammen. Als „Wüstenorte“ boten sich einsame Berggegenden, abgelegene Täler oder, wie dann auch in Russland, die endlosen Wälder an.

Heute führen im deutschen Sprachraum an die 100 Personen ein eremitisches Leben, etwa zwei Drittel Frauen, in ganz unterschiedlichen Formen – von der Traditionseinsiedelei mit kleiner Wallfahrt bis zur Hochhauswohnung in der Großstadtwüste.

Ordenspluralität in der Neuzeit

Seit der Frühen Neuzeit wächst die Pluralität an Gemeinschaften, die Kirche und Gesellschaft(en) mitgestalten und -prägen, nochmals beträchtlich. Johannes von Gott richtete 1539 in Granada sein erstes „Spital“ ein, woraus der Krankenpflegeorden der Barmherzigen Brüder (mit Augustinus-Regel) erwuchs. Zusätzlich zu den drei den Evangelischen Räten (Armut, Ehelosigkeit, Gehorsam) legen sie das Gelübde der „Hospitalität“ ab. Speziell für am Antoniusfeuer Erkrankte war 1095 in Südostfrankreich bereits der Hospitalorden der Antoniter als Laienbruderschaft gegründet worden.

Als neue Form nach Anbruch von Renaissance und Humanismus verzichten die Priester-Gemeinschaften der Regularkleriker auf traditionelle Formen wie Ordenstracht oder gemeinsames Chorgebet. Die männlichen Mitglieder der Gesellschaft Jesu (Jesuiten, 1540 päpstlich anerkannt) und die weiblichen der Congregatio Jesu (1609, nach der Gründerin auch Maria-Ward-Schwestern genannt) legen als viertes Gelübde besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst in Bezug auf ihre Sendung ab. Durch straffe zentralistische Organisation und ihr Engagement in Predigt, Seelsorge und Bildung auf allen Ebenen (bis hin zu einer Theater-Tradition) trugen sie maßgeblich zur Reform der katholischen Kirche bei – in Aneignung und Ablehnung reformatorischer Anliegen (unglücklich als Gegenreformation bezeichnet). Teils gewannen sie so großen (politischen) Einfluss, dass sie verfolgt und zeitweise verboten wurden (päpstlicher Aufhebung 1773-1814). In Polen z.B. hatten sie großen „Erfolg“, trugen aber auch zur Entfremdung von katholischer und orthodoxer Kirche bei. In Paraguay bestand von 1610 bis 1767 sogar ein Jesuitenstaat mit einem christlichen Sozialsystem unter den Ureinwohnern.

An dieser Stelle soll nur kurz auf die Bedeutung der Orden bei der Missionierung der "Neuen Länder" im 1492 entdeckten Amerika und anderswo hingewiesen werden. Die im Ansatz redliche Christianisierung unter den amerikanischen Ureinwohnern – zuerst durch Franziskaner, Jesuiten und Dominikaner – und die anderen Kontinente war oft unselig verquickt mit wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen westeuropäischer Staaten. Manche Orden(sleute) setzten sich stark für die Rechte der Völker ein und stellten sich ausartender Barbarei entgegen, andere gaben sich geradezu als ausführende Organe der erobernden Konquistadoren und Fürsten.

In der Aufklärung wurden v.a. die kontemplativen Orden als "unnütz" kritisiert. Die Säkularisation (Reichsdeputationshauptschluss 1803) führte auf deutschem Gebiet zur Enteignung und Aufhebung der meisten Klöster. Viele wurden wieder besiedelt sobald dies möglich war (Metten als erstes Benediktinerkloster 1830) und gelangten zu neuer Blüte im 19. Jh. In Österreich dagegen wurden die Orden nicht säkularisiert, aber nach aufklärerischen Gesichtspunkten stark reglementiert und vereinheitlich (Josephinismus).

Soziale Missstände in Krankenpflege, Volksbildung und Kinderfürsorge sowie kirchliche und gesellschaftliche Entwicklungen gaben immer wieder Anstoß zu kreativen Neuaufbrüchen des Ordenslebens und zur Gründung neuer Gemeinschaften: Klerikale und Laienkongregationen (z.B. Oratorianer 1575, Lazaristen/Vinzentiner 1625, Sulpizianer 1642, Salesianer 1859, Weiße Väter um 1870), sog. Gesellschaften des apostolischen Lebens (Vinzentinerinnen, Pallottiner/innen um 1840) und schließlich eine Vielzahl an Säkularinstituten (deren Mitglieder überwiegend nicht in Klöstern zusammenleben), meist mit "Versprechen", ohne öffentliche Gelübde. Die Tradition der laus perennis wurde in modifizierter Form durch die Frauenorden und -kongregationen der Ewigen Anbetung aufgenommen. Nach der Säkularisation griff eine breite Erneuerung des Ordenslebens Raum, verbunden mit der größten Gründungswelle der Ordensgeschichte (19. Jh.), in der v.a. zahlreiche große Frauen-Gemeinschaften entstanden (auch als Möglichkeit zu Bildung, gesellschaftlichem Aufstieg und Anerkennung), die häufig die Drittordensregel des hl. Franziskus oder die Regel der Vinzentinerinnen annahmen. Sie trugen enorm zum Ansehen der Kirche bis ins 20. Jh. bei. Evangelischerseits wurde dieses Anliegen u.a. durch die Diakonissenhäuser und die von Bodelschwinghschen Anstalten aufgegriffen, die jedoch nicht im eigentlichen Sinn zu den Orden zählen.

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Martin Luther, selbst aufgrund eines (Privat-)„Gelübdes“ in Todesangst bei den Augustiner-Eremiten eingetreten, lehnt Ordensgelübde nicht grundsätzlich ab, betont aber in seiner (klassischen) Schrift De votis monasticis (1521, vor dem Hintergrund, dass immer mehr Ordensleute ihre Klöster unter dem Eindruck der reformatorischen Lehre verließen) die dazu notwendige Freiheit (gegen den lebenslang bindenden Charakter) und warnt vor jeglicher Werkgerechtigkeit. "Summa: Vota libera sunt, non damnata, tum temporaliter, tum perpetuo servabilia – die Gelübde sind frei, nicht verdammt, sie können sowohl zeitlich als auch ewig beobachtet werden" (These 141 in den Themata de votis, WA 8,335, 18f).

Den Reformatoren ging es v.a. um die Abschaffung von Missständen und einer verfehlten theologischen Überhöhung von Ordensstand bzw. -gelübden (etwa als eine Art „zweiter Taufe“ mit sündenvergebender Wirkung, vgl. Conf. Aug. 27), wie manche durchaus positive Aussagen zum Ordenswesen zeigen. Dennoch kam es in den evangelischen Regionen über kurz oder lang zum Erliegen des Ordenslebens im eigentlichen Sinn. Einzelne Frauenklöster wurden in weltliche Damenstifte (ohne Gelübde) umgewandelt. Einige Männerkonvente schlossen sich als Ganze der Reformation an, die Konventmitglieder wurden in der Regel evangelische Geistliche. Mancherorts bestehen lose, nicht im Kloster residierende „Konvente“ verschiedener Ausrichtungen bis heute fort. Die Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben hat sich 1993 zusammengeschlossen, um im ökumenischen Kontakt zu katholischen Zisterziensern die mittelalterliche Ordensspiritualität im Geist der lutherischen Reformation neu zu entdecken und für heute fruchtbar zu machen (z.B. Amelungsborn, Loccum, Doberan).

Nach Ansätzen im Pietismus (z.B. Speners sog. collegia pietatis 1670, Graf von Zinzendorfs Herrnhuter „Brüdergemeine“ 1727 oder Tersteegens klosterartige „Pilgerhütten“ 1730) entstanden die ersten Kommunitäten mit gemeinsamem Leben nach dem Zweiten Weltkrieg (in Traditionslinien vorreformatorischer Regeln), z.B.

  • die Evangelische Marienschwesternschaft mit einem Akzent auf Buße und Umkehr (nach Leid und Zerstörung des Zweiten Weltkriegs gegr. 1947) im Ruf zur kompromisslosen Nachfolge Jesu; seit 1967 mit der kleinen Gemeinschaft der Kanaan-Franziskusbrüder
  • die an den drei evangelischen Räten ausgerichtete Christusbruderschaft Selbitz (1949), aktuell ca. 100 Schwestern, 3 Brüder und eine sog. Tertiärgemeinschaft von über 100 verheirateten und alleinlebenden Personen
  • die Communität Casteller Ring im Geist der Benediktsregel einschließlich des Stundengebets (1950), ökumenisch verbunden mit der benachbarten Benediktinerabtei Münsterschwarzach
  • die Kommunität Imshausen (1955),
  • die Christusträger (1961)
  • die Kommunität Adelshofen (1962).

„Mittlerweile gibt es in fast allen evangelischen Kirchen und den meisten europäischen und amerikanischen Ländern Kommunitäten, so dass man von einem weltweiten ökumenischen Phänomen sprechen kann.“ (EKD-Votum Verbindlich leben, 7) Weitere Gemeinschaften wie die Michaelsbruderschaft haben sich ordensähnliche Regeln gegeben, leben aber im Alltag nicht zusammen.

Auch in der anglikanischen Kirche gibt es heute wieder zahlreiche Ordensgemeinschaften von Männern und Frauen, selbständige Abteien, Priorate und Konvente, oft benediktinisch oder franziskanisch ausgerichtet bzw. nach den ursprünglichen Regeln.

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In der Communauté de Taizé (1940) leben ca. 100 Brüder aus verschiedenen Konfessionen und Nationen nach einer eigenen Regel. Ihre Gesänge adaptieren die ruminierende Schriftvers-Meditation der Wüstenväter und fanden weite Verbreitung durch die ökumenischen Jugendtreffen vor Ort im Burgund und die Jahrestreffen in einer Großstadt mit tausenden Teilnehmenden. Wie Taizé haben auch die Ökumenische Kommunität von Grandchamp/Schweiz (1940er, ca. 50 Schwestern nach Taizé-Regel) und die Jesus-Bruderschaft (1961) im Kloster Gnadenthal „evangelische Wurzeln“. Katholischen Ursprungs ist die monastische Gemeinschaft von Bose/Italien (1965/2000) mit ca. 85 Brüdern und Schwestern verschiedener Konfessionen. Sie legt besonderen Wert auf die Schriftlesung (lectio divina) und ist bekannt für ihre internationalen Konferenzen.

Viele der frühen Wegbereiter einer allmählichen Öffnung der katholischen Kirche für die Ökumenischen Bewegung im 20. Jh. (der sie ja zunächst sehr ablehnend gegenüberstand) waren Ordensleute, z.B. der Jesuit Max Pribilla (1874–1956), der Dominikaner Yves Congar (1904–1995), der Benediktiner Thomas Sartory (1925–1982) und der Assumptionist George H. Tavard (1922–2007). Auch hier erwiesen sich die Orden einmal mehr als ein Seismograph für anstehende innerkirchliche Reformprozesse. Zahlreiche Ordensleute und Gemeinschaften suchten den Kontakt und Austausch mit Christen anderer Konfessionen oder mühten sich um ein tieferes Verständnis und Abbau von Vorurteilen (Einrichtung von Forschungsstellen, Bibliotheken etc.). Zur lebendigen Vermittlung ostkirchlicher Spiritualität feiern zwei katholische Benediktinerabteien, in Chevetogne und in Niederaltaich, Gottesdienste parallel im römischen und im byzantinischen Ritus.

Zwei junge Gemeinschaften integrieren in ihr Stundengebet traditionelle Elemente der Ostkirche: Die monastische Familie von Betlehem mit kartusianischer Lebensweise und die Gemeinschaften von Jerusalem mit einer Spiritualität der Wüste nach Charles de Foucauld in der "Einsamkeit" heutiger Städte.

Die Kleinen Schwestern und Brüder vom Lamm wiederum verkündigen den Glauben franziskanisch-dominikanisch in radikaler Armut – entgegen dem Trend mit steigenden Neueintritten. Dies soll die stetige Dynamik des Ordenslebens andeuten; auch wenn die Mitgliedszahlen in Europa schwinden (wie generell in den Kirchen), entstehen hier und v.a. auch in anderen Kontinenten neue Klöster und Lebensformen.

Berührt von der Liebe Gottes (1 Joh 4,10), der sich für die Menschen hingegeben hat, antworten Gottsuchende auf dem monastischen und klösterlichen Weg mit ihrer sehnsüchtigen Hingabe – dies ist die tiefste Quelle des Mönchtums: es ist Re-aktion auf Gottes Barmherzigkeit im Verlangen, seinem Frieden im Heiligen Geist sowie dem Streben nach Einheit mit Gott, sich selbst und allen Mitgeschöpfen Raum und bewährte Form zu geben. Dieses Streben nach Einheit in Vielfalt macht offen für den (ganz) Anderen und so auch ökumenisch sensibel. Nicht zuletzt hierin gründet die aktuelle (auch mediale) Faszination von Klöstern, die durch ihre Angebote – Seelsorge, geistliche Begleitung, Gastfreundschaft, Erwachsenenbildung, Veröffentlichungen v.a. zu gelebter Spiritualität etc. –, getragen von und eingebettet in die Feier des Gotteslobs in Kirche und Gesellschaft ausstrahlen. Gerade im Versuch einer radikalen Ausrichtung aller persönlichen und gemeinschaftlichen Lebensbereiche auf Gott und das Seelenheil steht das Mönchtum von seinen Ursprüngen her in der spannungsgeladenen Polarität zwischen eschatologisch-paradiesischer Weltüberwindung und inkarnatorischer Verchristlichung der Welt.

„Das geweihte Leben, das in der gemeinsamen Tradtition der ungeteilten Kirche verwurzelt ist, hat zweifellos eine besondere Berufung zur Förderung der Einheit. Etablierte Kloster- und Ordensgemeinschaften wie auch neue Gemeinschaften und kirchliche Bewegungen können privilegierte Orte der ökumenischen Gastfreundschaft, des Gebets für die Einheit und des Austauschs von Gaben unter den Christen sein“ (Der Bischof und die Einheit der Christen. Ein ökumenisches Vademecum des Römischen Einheitssekretariats vom 4.12.2020, Nr. 23).

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