Papst Leos benediktinischer Sommer 2026
Papst Leos benediktinischer Sommer, so titelt ein Artikel im Rundbrief des Abtprimas für die benediktinische Familie. Damit überschrieb er die Reihe von Besuchen, die Papst Leo XIV. zu den ältesten Klöstern führte, sowie Begegnungen bei gemeinsamen klösterliche Mahlzeiten sowie im Vatican und schließlich bei seiner Frankreich-Reise.
Am 20. Juli besuchte der Papst zunächst die Abtei Montecassino und betete am Grab des heiligen Benedikt für den Weltfrieden – ganz nach unserem monastischen Motto PAX. Am 22. Juli pilgerte der Papst, das benediktinische Thema aufgreifend, zum Heiligtum der Heiligsten Dreifaltigkeit in Vallepietra und fuhr dann weiter nach Subiaco. In der Einsiedlerhöhle des heiligen Benedikt (Sacro Speco) küsste er, wie es Tradition ist, das Knie der Statue des Heiligen. Anschließend fuhr er hinunter zum Kloster der heiligen Scholastika, wo er wiederum mit der Klostergemeinschaft aß.
Am 12. September sprach der Papst im Vatikan zu den Teilnehmerinnen des Symposiums der Communio Internationalis Benedictinarum und würdigte insbesondere die Initiativen, neue Ausbildungsmöglichkeiten für Benediktinerinnen anzubieten. Unter Rückbezug auf seine jüngsten Besuche in Montecassino und Subiaco dankte er ihnen für ihre „demütige und stille Präsenz“.
Und auf seiner Apostolischen Reise nach Frankreich hielt Papst Leo am 28. September in Metz beim Treffen „An den Wurzeln Europas für Frieden und Einheit“ eine Ansprache, in der er nun “in Gedanken eine Reise” unternahm, “die an den Wurzeln Europas beginnt, in die Gegenwart führt und schließlich den Blick in die Zukunft richtet.”
Um die lange Geschichte Europas zu verstehen, so der Papst wörtlich, "darf jedoch ein weiterer Vater Europas nicht unerwähnt bleiben: der heilige Benedikt, den der heilige Papst Paul VI. 1964 zum Schutzpatron Europas erklärte und als »Boten des Friedens, Baumeister der Einheit, Lehrmeister der Zivilisation« bezeichnete. Die Hilfe für die Armen, die Kranken und die Alten; die Erziehung der Kinder und die Universitäten; die Krankenhäuser und die Medizin; die Architektur und das Ingenieurwesen; die Entwicklung der Wissenschaften; das Recht und die Organisation der Städte und der Staaten selbst: So vieles in Europa wurde vom heiligen Benedikt und seinen Mönchen tiefgreifend beeinflusst! Ohne diese monastische Kultur gäbe es die europäische Zivilisation, wie wir sie kennen, nicht. Hier in Metz herrschte dank des Wirkens unter anderem des heiligen Chrodegang ein benediktinischer Geist der Brüderlichkeit, der Gemeinschaft und des Teilens. Von hier aus verbreitete sich der gregorianische Gesang in den karolingischen Gebieten und brachte Harmonie und Schönheit auf den gesamten Kontinent.
Man kann also nicht über Europa sprechen, ohne das Christentum zu erwähnen. Robert Schuman war sich dessen bewusst, als er erklärte: »Das Christentum hat die Gleichheit aller Menschen in ihrer Natur gelehrt als Kinder desselben Gottes, erlöst durch denselben Christus, ohne Unterschied von Rasse, Hautfarbe, Klasse und Beruf. Es hat uns die Würde der Arbeit erkennen lassen und die Verpflichtung aller, sie auf sich zu nehmen. Es hat den Vorrang der inneren Werte anerkannt, die allein den Menschen veredeln. Das universelle Gesetz der Liebe und der Nächstenliebe hat jeden Menschen zu unserem Nächsten gemacht, und auf ihm beruhen seitdem die sozialen Beziehungen in der christlichen Welt.«
Ein weiterer Gründervater des heutigen Europas, Alcide De Gasperi, greift dies auf, indem er das »gemeinsame europäische Erbe« hervorhebt, »diese einheitliche Moral, mit ihrem Streben nach evangeliumsgemäßer Brüderlichkeit, ihrer Achtung vor dem von den Vorfahren geerbten Recht, ihrer im Laufe der Jahrhunderte verfeinerten Verehrung der Schönheit und ihrem durch jahrtausendealte Erfahrung geschärften Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit«.
Der Verweis auf das, was die europäische Kultur dem Christentum verdankt, ist kein exklusives konfessionelles Kriterium, aber es hilft besser zu verstehen, dass die Offenheit gegenüber der Transzendenz immer eine wesentliche Eigenschaft des Menschen und eine lebendige Quelle der Zivilisation ist."

